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In jüngster Zeit werden mögliche Gefahren des Piercings verstärkt in der Öffentlichkeit diskutiert. Der wichtigste Aspekt dabei ist der Einfluss von allergenen Bestandteilen in den Materialien, aus denen der Piercing-Schmuck hergestellt wird. Hier ist vor allem das Element Nickel als bekanntestes Allergen im Blickpunkt des Interesses. Einem Piercing-Schmuck ist von aussen nicht ohne weiteres anzusehen, ob Nickel enthalten ist oder nicht. Aus Unkenntnis werden vielfach Werkstoffe eingesetzt, die durchaus hohe Nickelgehalte im Prozentbereich aufweisen. Dabei sind bereits heute Grenzwerte für den Nickelgehalt in einer Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft festgelegt (94/27/EG). Die Richtlinie 94/27/EG der Europäischen Kommission: Verboten ist die
Verwendung von Nickel: 2. In Nickelprodukten, die unmittelbar und länger mit der Haut in Berührung kommen (Ohrringe, Hals- oder Armbänder, Ketten, Fingerringe, Armbanduhren, Brillengestelle...), wenn die Nickelfreisetzung derjenigen Teile, welche mit der Haut direkt in Berührung kommen grösser ist als 0,5 µg/cm2 pro Woche. 3. In Produkten gemäss Ziff. 2, wenn diese eine Nichtnickelbeschichtung aufweisen, ausser die Beschichtung derjenigen Teile, welche unmittelbar und länger mit der Haut in Berührung kommen, haben bei normalem Gebrauch eine Nickelfreisetzung, die 0,5µg/cm2 pro Woche über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren nicht überschreitet. Ferner dürfen Produkte gem. Ziff.1,2 und 3 nur in den Handel gelangen, wenn sie den in diesen Punkten geforderten Bedingungen entsprechen. Richtlinie Schweiz vom Dez. 1997 Art. 25 nickelhaltige Gegenstände: 1 Nickelhaltige Gegenstände, die bestimmungsgemäss während längerer Zeit intensiv mit der Haut in Kontakt kommen (z.B. Fingerringe, Ohrringe oder Brillengestelle) dürfen nicht mehr als 0,5µg Nickel pro cm2 und Woche abgeben (Grenzwert). Sind solche Gegenstände mit einem Überzug versehen, muss dieser so beschaffen sein, dass der Grenzwert bei normalem Gebrauch des Gegenstandes während eines Zeitraums von mindestens 2 Jahren nicht überschritten wird. 2 Stäbe, die während der Epithelisation der beim Durchstechen verursachten Wunde in durchstochenen Ohren oder andere durchstochene Körperteile eingeführt werden, dürfen nicht mehr als 0,05 Massenprozent Nickel enthalten (Grenzwert).
TITAN Titan Grade 1, Grade 2 und 6ALV4 ELI entsprechen alle den Anforderungen für Chirurgische Implantate in den USA und in Deutschland. Die hier aufgeführten Titanlegierungen sind absolut frei von Nickel. Daher als Material für den Ersteinsatz absolut empfehlenswert. Es ist jedoch zu beachten, dass das Schmuckstück Hochglanzpoliert ist. Denn je glatter die Oberfläche desto weniger Möglichkeiten für Bakterien und Keime sich festzusetzen.
PTFE (Poly-Tetra- Flour-Etylen) Das ist sozusagen das Ei des Kolumbus. Dieses auch in der Implantatchirurgie verwendete Material vereinigt mehrere positive Eigenschaften in sich. PTFE ist neben speziellen Silikonen der einzige physiologisch unbedenkliche Kunststoff für den Einsatz im Körper. Er ist äusserst flexibel und die wohl wichtigste Eigenschaft ist die homogene Oberfläche die ein absolut antiadhäsives Verhalten aufweist, d.h. PTFE-Piercingschmuck geht keinerlei Verbindung mit austretendem Wundsekret ein so wie es der Fall bei jedem Metallschmuck ist. Somit besteht auch nicht die Gefahr, die Wundränder aufzureissen. Durch die Vermeidung dieser Kleinstverletzungen am Stichkanal wird darum auch das Infektionsrisiko am Piercing minimiert. Um Nachteile wie rauhe Oberfläche und mangelnde Formstabilität auszuschliessen, sollte man gezogenes (nicht gedrehtes) Material bevorzugen.
CHIRURGIESTAHL So, jetzt wird's kompliziert. Was ist überhaupt Chirurgiestahl? Als Chirurgiestahl wird ein hochlegierter, rostfreier Edelstahl bezeichnet. Dieses fälschlicherweise (wohl aufgrund seines wohlklingenden Namens) für besonders gesund gehaltene Material wird üblicherweise für die Fertigung medizinischer Geräte und Werkzeuge verwendet. Da diese in der Regel jedoch nur kurzzeitig mit dem Menschen in Berührung kommen, ist ein möglicher Nickelgehalt von bis zu 13% nicht so tragisch. Wird daraus jedoch Piercingschmuck für den Ersteinsatz gefertigt, so grenzt das an gefährliche Körperverletzung.
IMPLANTATSTAHL Ähnlich wie Chirurgiestahl, jedoch mit geringerem Nickelgehalt. Ausserdem ist das Nickel in dieser Legierung so gebunden, dass es nicht freigesetzt werden kann.
GOLD Für frische Piercings bedingt empfehlenswert, aber möglich. Hierbei ist jedoch mit längerem Verheilzeiten zu rechnen. In Frage kommt hier nur 750er Gelbgold. Je geringer der Goldanteil ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit des Anlaufens. Dieses Anlaufen wird (wie auch beim Silber) besonders durch die Reaktion des Kupferanteils mit anderen chemischen Stoffen hervorgerufen. Diese sind Bestandteil von Schweiss, Wund- und anderen Körpersäften, kommen jedoch auch in Seiten, Salben und anderen Kosmetika vor. Für Nickelallergiker kein zusätzliches Problem.
SILBER Für frische Piercings ist Silber völlig ungeeignet. Für bereits verheilte Piercings durchaus zu verwenden, wenn es sich wirklich um 925er Silber (Sterlingssilber) handelt. Sterlingssilber besteht zu 925 Teilen aus Silber, die restlichen 75 Teile sind Kupfer. Kein Problem also für Nickelallergiker. Es gibt jedoch auch Menschen mit einer Silberallergie. Silber hat zudem auch (noch eher als Gold) die Tendenz "anzulaufen", unter Umständen sogar schwarz zu werden.
NIOBIUM Niobium oder kurz Niob genannt ist nicht wie die zuvor beschriebenen Materialien eine Legierung, sondern ein Element. Niob ist nach dem heutigen Stand des Wissens absolut allergienfrei und dem zufolge für jeden gut verträglich.
PLATIN Platin ist für frische Piercings möglich. Auch dieses Material wird nur als Legierung zur Schmuckherstellung verwendet. Entweder wird es mit Kupfer legiert oder mit Palladium. Also für Nickel- und Silberallergiker völlig problemfrei.
PALLADIUM Neuesten Erkenntnissen zufolge ist der Einsatz von Palladium nicht gänzlich unbedenklich, da es mittlerweile eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Palladium-Allergikern gibt. Also ist von Palladium als Ersteinsatz auf jeden Fall abzuraten.
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